MITmacherin Paula in der Wohn-Pflege-Gemeinschaft Langenfelde

von 22. 02. 2020MITmacher-Alltag, Vor Ort

Sie helfen mir und ich helfe ihnen, besser kann es nicht sein!

„Ich lerne jeden Tag ein neues Wort!“, strahlt Paula, als ich sie bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit in einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft für Menschen mit Demenz besuche. Die 39-jährige verbringt jeden Sonntag einige Stunden hier. Dann geht sie mit den Bewohnerinnen und Bewohnern spazieren, hilft ihnen beim Kochen, tanzt mit ihnen und lernt – fast nebenbei – die deutsche Sprache: „Sie helfen mir und ich helfe ihnen, besser kann es nicht sein!“

Sie hat etwas mit ihnen gemeinsam

Die junge Frau aus Bolivien ist, und das merkt man, sobald man sie mit den älteren Menschen beobachtet, ein großer Gewinn. Mit einer Engelsgeduld hört sie zu, stellt immer wieder Fragen und hängt an den Lippen der Menschen mit demenzieller Erkrankung.
„Weil sie etwas mit ihnen gemeinsam hat“, erklärt Malte Kock, Leiter der Wohn-Pflege-Gemeinschaft Langenfelde in Hamburg: „Die neue Sprache, die deutsche Kultur. Für Paula ist hier vieles noch komisch und unverständlich.“ Genauso ergehe es auch den an Demenz erkrankten Menschen: „Sie entwickeln sich durch die Krankheit auch in eine Welt hinein, die ihnen fremd ist“. Genau da sei ein großer Schnittpunkt, der die Zusammenarbeit so wertvoll mache.

Ehrenamt hat großen Wert

Ehrenamtliches Engagement, erzählt mir Paula, gäbe es in dieser Form in ihrer Heimat Bolivien gar nicht. Dass man hilft, wenn jemand Hilfe braucht, ja, das sei ganz normal. Aber zu festen Zeiten ehrenamtlich zu arbeiten, sei ihr unbekannt gewesen. Umso toller findet die 39-jährige, die mittlerweile unter der Woche in einem anderen Beruf arbeitet, dass es diese Struktur in Deutschland gibt. „Das ist so gut! Weil ich lerne hier die Sprache und sehe, dass die Menschen mich brauchen“.

Das müsse man viel mehr zu schätzen wissen, meint Malte Kock. Dass es das Ehrenamt gibt und dass sich in Deutschland so viele Menschen unentgeltlich für andere einsetzen: „Das Ehrenamt ist ja so etwas wie ein deutsches Luxusprodukt. Und es ist so wichtig, denn es erinnert uns daran, dass es auch in Deutschland Menschen gibt, denen es nicht nur gut geht.“

Malte Kock

… leitet die Wohn-Pflege-Gemeinschaft Langenfelde des Deutschen Roten Kreuzes im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel. Über die MITmacher hat er sich für die Bolivianerin Paula als Ehrenamtlerin entschieden. 
Schon zuvor hatte er eine Geflüchtete aus Afghanistan in der Wohngemeinschaft ausgebildet und viele gute Erfahrungen gemacht. Die Gründe für die Migration eines Menschen sind für ihn zweitrangig, ihm kommt es auf den Person an, die ihn bei seiner Arbeit mit den Menschen mit demenzieller Erkrankung unterstützt. 
Und Migrationshintergründe, da ist er sich sicher, sind eine perfekte Grundlage, um in der besonderen Wohngemeinschaft zu arbeiten. Deshalb ist er dankbar für die Vermittlungsarbeit der MITmacher.

Ein wunderbares Bild

Paula jedenfalls ist glücklich etwas zurückgeben zu können. „Alle sind immer so nett zu mir“, erklärt sie lächelnd und sagt: „ich möchte auch was Gutes für sie machen“.
In der Wohngemeinschaft Langenfelde ist ihre Hilfe mehr als willkommen. Malte Kock jedenfalls möchte sie in seinem Team nicht mehr missen. Und er hofft, dass ihr Engagement auch beiträgt dazu Vorurteile abzubauen, denn: „dass geflüchtete Menschen, denen es in ihrer Heimat nicht gut ging, jetzt durch die MITmacher denen helfen, denen es in Deutschland nicht so gut geht – das ist doch ein so wunderbares Bild. Oder?“.

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